Zu ihrem 20jährigen Bestehen hat sich das Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen eine Ausstellung der besonderen Art einfallen lassen:
Mit der Präsentation von Werken und Zeugnissen der Aachener Avantgarde, die bereits schon 1964 unter gleichem Namen „Nie wieder störungsfrei!“ ausgestellt wurden, zeichnet sie die rebellischen Bewegungen der Aachener Kunstszene auf, die sich in den sechziger Jahren in den Vordergrund drängte und damit maßgebliche Impulse für die weitere Entwicklung der zeitgenössischen Kunst setzte.
Unter Beteiligung von Joseph Beuys und Wolf Vostell machten junge Studenten anhand von provokativen Fluxus-Ausstellungen und Happenings auf ihren Wunsch nach einer gesellschaftskritischen Kunst aufmerksam, um zur Diskussion anzuregen, zum weiteren Handeln zu provozieren. Kunst sollte mit Aktionen verknüpft werden. Es fanden aufsehenerregende Ereignisse statt: Es wurden Bücher zerfetzt und verbrannt, ein Klavier angebohrt, Joseph Beuys (als Reaktion des sich provoziert fühlenden Publikums) von einem Studenten auf die Nase geschlagen...etc.
Diese chaotische Zeit gilt als Start für Erneuerungen, die in der weiteren Kunstentwicklung maßgeblich werden sollten.
Der Journalist Klaus Honnef gründete mit dem Galeristen Will Kranenpohl ein Zentrum für aktuelle Kunst – Gegenverkehr e.V., das sich auflehnte gegen die traditionellen Kunstgattungen.
Gleichzeitig machten das Sammlerehepaar Peter und Irene Ludwig zunehmend auf sich aufmerksam, indem sie wohl vorausschauend auch diese provokative Kunst sammelten und zunächst seit 1968 im Suermondt-Museum und schließlich in der 1970 neu errichteten Neuen Galerie ausstellten. Dieses Haus legte den Grundstein für das 1991 daraus hervorgehende Ludwig Forum für Internationale Kunst. Mit dem Erwerb für damalige Zeiten beachtlich provokativ wirkender Werke aus der Pop-Art, hyperrealer Kunst, Fotorealismus, konzeptioneller Kunst etc. schufen Peter und Irene Ludwig eine beachtenswerte Grundlage für den Erwerb vieler weiterer Kunstwerke, die ihren Platz in den später eingerichteten Ludwig-Museen finden sollten.



